Yvonne: Event Horizon royale (jetzt mit noch mehr Hofdamen)

Gombroviczs Yvonne – das ist die unheimliche Schwester von Becketts Godot: Immer ist sie da, und doch ist sie nie präsent. An ihr mühen sich alle ab und sie dient als Projektionsfläche für die eigenen Unzulänglichkeiten; still sitzt sie bloss da, unbeteiligt.
Dass man nicht nicht kommunizieren könne, wie es Watzlawick behauptete, dem widerspricht das Gedankenexperiment Yvonne. Die fehlende Kommunikation Yvonnes wird interpretiert: Als Bösartigkeit, als Genialität, als Frechheit. Letzten Endes mühen sich alle an ihr ab. Die Stille, die von ihr ausgeht, zermürbt und vernichtet die Konvention. Dass keine Antwort kommt, das wirft den Frager auf sich zurück. So weit die Idee. Der Titel des Stücks gibt die Handlung. Diese Yvonne tritt ins Milieu von skurilen Blaublütern.
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Störfaktor Yvonne – Ein Kommentar zu „Yvonne, die Burgunderprinzessin“

Yvonne röchelt. Die Gräte der Karausche verkeilen sich in ihrer Speiseröhre, stechen in ihre Luftröhre, tiefer mit jedem Husten. Dumpf knallt ihr Kopf auf den Teller, in das kaum berührte Gericht. Yvonne das Ungeheuer ist erlegt. Die Hofgesellschaft atmet erleichtert auf und gleitet zurück in Haltung. Ruhigere Tage sind in Sicht, so die Erwartung.

Die Bühne erhebt sich über zwei Etagen. Oben das Klavier mit Valentin, der es spielt. Unten der Hof, gekleidet in blaue Tapete mit goldenen, antik anmutenden Ornamenten. 8 Spiegel, 8 goldene Stühle, 4 Überwachungskameras, 2 Sessel und eine Liege zieren den Hof. Alles in allem ausschweifend und pompös, doch auch beengend. Jeder Schritt auf der Bühne wird gespiegelt, es gibt kein Ausweichen in heimliche Ecken, alles ist rund, offen und überwacht.

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Yvonne, Yvonne – ach, Yvonne

Yvonne, Yvonne – ach, Yvonne

Die Burgunderprinzessin gastierte am 13.02.2015 im Schiffbau in Zürich

Nach dem Hörensagen von swt., Wiedikon. – Das Theater beginnt. Bestehend aus Hofdamen ist der Chor ein dreiköpfiger Zyniker und lacht. Yvonne (ein Schauspieler) sagt: nichts. Der Chor: lacht – ein herablassend selbstverständliches Lachen, das alle seine Unsicherheit zeigt. Und bei aller Taktlosigkeit äusserst taktvoll und präzis ist. Die verschworene Hof- aber eigentlich Begräbnisgesellschaft oder umgekehrt – Männer in schwarzen Männerkostümen (erstaunlich :)) und Männer in schwarzen Damenkostümen – beargwöhnt das Ungetüm Yvonne (immer noch ein Schauspieler); die sagt: nichts. Man fühlt sich allenthalben herausgefordert. Yvonne sagt: nichts. Dann sagt sie doch etwas. Man verliebt sich also in sie, aufgrund kreisförmiger dialektischer Verhältnisse.

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