Amphitryon, oder: Die Geburt der Tragikomödie aus den Mitteln der Postdramatik

Die Stärke des Dialogs: Rede und Gegenrede. Subtext: Gesagtes versus Gemeintes. Ein Ich und ein Du, die sich durch ein Haus jagen, das aus Konflikt gebaut ist, die sich sprachlich die Klinke geben…

Im Amphitryon von Karin Henkel am Pfauen bläst es den Sosias fünfmal in das Haus. Es bläst ihm ein Wind entgegen, während er noch die Türklinke zu erreichen versucht um hinter sich zu schliessen, ehe sein nächstes Vielfaches auf die selbe Art den Raum betritt. Der Doppelgänger geht den selben Gang zum zweiten Mal. Das benötigt Kraft, die Kräfte zurück zu drängen, die man mit sich ins Haus gebracht hat. Ein bisschen erinnert das and die Vampire, die ja auch nur Einlass erhalten, wenn man sie herein bittet: Man verkennt sie und ihre wahre Natur, und schon hat man sie am Hals. Jupiter erhält gleichsam Einlass bei Alkmene, da er in Gestalt ihres Ehemannes Amphitryon auftritt – und Merkur als Sosias bewacht die Türe, prügelt sich mit dem echten Sosias, nimmt ihm die Identität und gibt ihm dafür Prügel.

Das klingt leicht, und doch auch wieder schwer. Schwerfällig im Thema: Was macht denn ein Ich eigentlich aus? So gestellt, klingt die Frage platt, aber…

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