Was KritikerInnen manchmal denken, aber sich nicht zu schreiben getrauen. Eine Zitatesammlung aus unseren Sitzungen… 😉

„… hat sich darum gewunden, Position zu beziehen.“
„Ich möchte mich am Liebsten vor einer Kritik drücken: Es kommt mir vor, wie mit Kanonen auf Spatzen schiessen.“
„… diesmal sollte es an der Inszenierung selber festgemacht werden: Was will sie, holt sie aber nicht rein?“
„Ihr Zuschauer um mich herum: Warum klatscht ihr?“
„Popcorn im Pfauen.“
„Immerhin gibt es eine Grundspannung und damit einen Reiz zum Schreiben.“
„Wenn ich sowas sehe, habe ich das Bedürfnis, es fertig zu machen. Aber das ist wohl gerade das Gefährliche. Also versuche ich zu packen, was genau gestört hat.“
„Da habe ich das Bedürfnis, mich zu äussern, umso grösser ist dieses wegen des Widerstandes.“
„Ich habe kein Bedürfnis, eine Kritik zu schreiben. Da die Inszenierung keinen Anspruch hat, kann ich sie auch nicht ernst nehmen…“
„Das gibt keinen Stoff her.“
„Die Inszenierung nimmt keine Stellung zu den eigenen Themen…“
„Völliges Fehlen von Konsequenz.“
„Wie geht wohl der Schauspieler damit um, der Arme?“
„Könnte das als Satire gemeint sein?“

Kritik als Kunst: Kerr

Dies ist die Einleitung zu Alfred Kerrs Gesammelten Schriften, die wir anlässlich eines unserer Treffen zur Grundlage einer Diskussion darüber genommen haben, ob und wie Kritik auch Kunst sein kann.

 

Wahlspruch:
Dein Ausdrucksziel: das Knappere.
Der Inhalt: „Aude sapere!“

I.
Ist es Wirklichkeit? Ich sehe zurück auf mein Leben und merke, daß ich ein Kritiker war.
Ich zog aus: festzustellen, was ist; zu greifen, was lockt; zu schaffen, was bleibt.
Vorwärtskommend meine Welt vorwärtszubringen.
Wann war das? Gestern.
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Protokoll 4.12. zu Elektra und Amphitryon / Albrecht

Es beginnt – in kleiner Runde – ein Gespräch über Elektra. Nora (N). Im Fokus: Die Zweiteilung der Bühne. Spielt es eine Rolle, von welcher Seite aus man anfängt, die Inszenierung zu betrachten?

Die Meinungen tendieren zum ’nein‘.

Denn unabhängig von der Seite, auf welcher wir anfangen, was wir auf jeden Fall erhalten, ist das Wissen, dass da noch was anderes ist, das uns zuerst verborgen ist und dann ergänzt wird.

Antonia (A): „Ein Doppelraum, den ich so noch nie erlebt habe.“

Rolle der Erinnerung: Durch die Verdopplung wurde die Erinnerung an die erste Hälfte während der zweite wieder lebendig: Schärfer und klarer. „Wie etwas, das aus dem Unterbewusstsein hervor drängt.“

N gerät ins freie Formulieren: „dieses Wiedererleben, die zeitliche Verdopplung – die andere Dimension, die wir zuvor noch nicht hatten – es ist wie ein Trauma, das auf die Bühne gebracht wird.“

Wir gehen über zu Amphitryon – können wir Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten entdecken, bei den Stilmitteln der Regie?

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Protokoll 27.11. zu Elektra/ Bahar

Am Bühnenbild:

Dadurch, dass uns die Möglichkeit angeboten wurde, unsere Sitzung im Bühnenbild zu halten, war unser erstes Anliegen das Bühnenbild in unsere Diskussion miteinzubeziehen.

Wir haben getestet, was die Wirkung der niedrig gesetzten Stufen auf das Schauen ist: durch die nach unten versetzte Perspektive erscheinen die Spieler tatsächlich grösser.

Das zweite, das wir am Bühnenbild machten war es uns bestimmte Momente in Erinnerung zu rufen, sie direkt auf der Bühne nachzuerzählen: Klytaimnestra wie sie sich draussen am Haus an der Wand festkrallt – Insekten-ähnlich, zerfallend, Marionettenhaft, haltsuchend.

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Protokoll 20.11.2013 zu Nordost / Antonia

(sorry, dass es so spät geworden ist!!)

Wir haben drei Texte diskutiert, die zum Stück „Nordost“ geschrieben wurden.

1) Text von Nora

Wie funktioniert der Text, wenn ihn jemand liest, der das Stück nicht gesehen hat (Eva)?

–          Es gab ein paar Missverständnisse (z.B. dass die Schauspielerinnen immer wieder andere Rollen spielen würden)

–          … sowie ein paar Unklarheiten (z.B. wie genau das Publikum speziell einbezogen wurde, kam nicht klar heraus)

Noras Ziel war jedoch keine klassische Zeitungskritik. Man muss sich generell die Prämisse klar machen: Schreibt man für ein Publikum, das das Stück schon gesehen hat oder nicht? Das beste wäre natürlich, wenn beide Arten Publikum etwas vom Text hätten.

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