Nächtliche, urbane Traumkompositionen

Ein Besuch des «Nachtstück»s von Barbara Frey und Fritz Hauser

(rh) Was bleibt vom Theater, wenn man ihm alle seine Worte raubt? Sehr viel, wie das Projekt «Nachtstück» von Barbara Frey und Fritz Hauser am Schauspielhaus Zürich zeigt. Dem Publikum wird eine Traumwelt mit ganz eigenen Normen vorgeführt.

Zuerst heisst es Eintreten in den Saal, in die nächtliche Dunkelheit. Schon bald tauchen die ersten Bilder auf. Eine Frau liegt auf dem Bett. Eine andere sitzt unter einer Strassenlampe. Verschiedene kurz beleuchtete, bewegungslose Szenen zitieren die urbane Einsamkeit aus Eduard Hoppers Bildern. Das Licht ist wie in vielen seiner Gemälde warm und gelb, ruft aber keine Geborgenheit hervor. In diesem Licht stehen Personengruppen, die aneinander vorbei schauen.

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Nachtstück oder Fiebertraum?

Ich muss gestehen, ich war von der Idee eines Stückes ohne Wörter wenig begeistert. Als analytischer Mensch, der auch im Privatleben die Körpersprache als nahezu unverständlich einstuft, den konkreten und artikulierten Sätze mag, konnte ich nur skeptisch gegenüber der Inszenierung von Barbara Frey stehen.

Als ich meinen Platz nahm, hoch und zentral in der Tribune, war ich also voller Vorurteile. Das Bühnenbild war entscheidend simpel, bestehend nur aus einem zweistöckigen Kubus mit einer Art Leinwand vorne und einer Bank mit einem Straßenlicht auf der rechten Seite. Oben, ein kleines Zimmer mit einem einfachen Bett in der Mitte und schräge Wände, die dem Raum mehr Tiefe verleihen.

Es geht los als alle Lichter ausgelöscht werden und – wie in einem Traum – eine sich auf dem Bett ruhende (tote?) Frauengestalt zu sehen ist. In nacheinander folgenden diaartigen Szenen – die durch Trommeln und kurz haltende Dunkelheit getrennt sind – ein Mann erscheint, er hält ihre Hand, eine Trauergruppe umkreist das Bett, alle sind weg. Die Bewegung erfolgt nun ohne gesehen zu werden und die gefrorenen Bilder, die man bekommt, wirken unheimlich und surrealistisch.

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